Ein markanter Orientierungspunkt, um die Fließgewässerlandschaften kennenzulernen, ist die Porta Westfalica, an der die Weser die Mittelgebirgslandschaft verläßt und ihren Fließweg in die Norddeutsche Tiefebene nimmt. Während südlich dieses Durchbruchs der Weser durch das östliche Weser- und westliche Wiehengebirge die Gewässer im dortigen hügeligen Mittelgebirge durch starke Strömung und steinige Sohle geprägt sind, herrscht nördlich davon im Tiefland die schwache Strömung mit feinkörnigen Substraten im Gewässerbett vor. An der Wasserscheide von Teutoburger Wald und Eggegebirge wird das, von dort aus gesehen nordöstlich gelegene Mittelgebirge vom südwestlichen Tiefland der ostmünsterländischen Bucht getrennt. 

In dieser ostwestfälischen Bucht dominiert die Fließgewässerlandschaft der Sandgebiete mit Flugdeck- und Schmelzwassersanden. Die Fließgewässerlandschaft der Niederungsgebiete begleitet als ausgedehnte Schwemmebenen die Flußläufe von Ems und Lippe. In der zwischen beiden Gewässern sich nach Westen öffnenden westfälischen Bucht dominiert bereits außerhalb des Regierungsbezirks im Kernmünsterland die Fließgewässerlandschaft der Verwitterungsgebiete und Flußterassen mit vor dem Eiszeitalter abgelagerten Sedimenten. Die Sand- und Niederungsgebiete herrschen auch nördlich des Weser- und Wiehengebirges vor. Entlang des Nordrandes dieses Mittelgebirgszuges erstreckt sich zunächst die Fließgewässerlandschaft der Lößgebiete mit ihren tonig-schluffigen, äolischen Ablagerungen aus dem Eiszeitalter. Stellenweise finden sich hier ebenfalls Verwitterungsgebiete und Flußterassen.

Die Landschaften des Ravensberger Hügellandes und Lipper Berglandes werden durch die Fließgewässerlandschaft des Schwach-karbonatischen Deckgebirges mit einer Vielzahl mesozoischer Sedimentgesteine geprägt. Nördlich und südlich davon erstreckt sich die Fließgewässerlandschaft der Muschelkalkgebiete entlang des Südhangs von Weser- und Wiehengebirge sowie nördlich des Teutoburger Waldes, wo sie zur Oberweser hin in die ausgedehnte Brakeler Muschelkalkschwelle übergeht. Zur Fließgewässerlandschaft der Verkarsteten Kalkgebiete mit ihren klüftigen Gesteinen gehört der Südwestrand des Teutoburger Waldes und die breite sich südlich anschließende Paderborner Hochfläche.

Die ostwestfälische Gewässerlandschaft wird also durch das mehrfache Aufeinanderstoßen der Tiefland- und Mittelgebirgsregionen in vielfältiger Weise geprägt. In Ostwestfalen-Lippe treten daher eine Vielzahl an Gewässertypen auf, die sich aufgrund der dortigen naturräumlichen Gegebenheiten mit einem Mosaik geologisch-pedologischer Bildungen und wechselndem Landschaftsrelief ausbilden.